Julia Gutkina komponiert eine geometrische Malerei, eine malerische Geometrie der abstrahierten Wirklichkeit: Momente eines Spazierganges oder ein Blick aus dem Fenster werden in ihren wesentlichen Flächen und Linien analysiert und konsequent auf eine Skizze skelettiert, die nur noch die Kompositionselemente eines realen Bildes markiert. Solchermaßen abstrahiert, verwandelt sich die nackte Realität in ein fast konstruktivistisches Gemälde, in dem sich Linien, Flächen und schließlich auch die meist zurückhaltenden Farben scheinbar autonom entfalten. Diese Geometrie ist jedoch nicht sachlich, viel zu heftig ist der malerische Duktus, viel zu dramatisch die Kontraste zwischen Linie, Fläche, Raum und Farbe. Das emotionale und lyrische Capriccio gibt den Bildern Stimmung und Charakter und vermag bisweilen sogar wieder von dem zu erzählen, was am Anfang stand, von dem Spaziergang im November oder dem Blick auf eine kalte und graue Stadt.
Dr. Dietmar Schuth